Fachwerk

REFERAT 8 - FACHWERK UND HOLZKONSTRUKTIONEN

Allgemeines

Zwischen den Referatsmitgliedern besteht ein lebendiger und aufmerksamer Austausch zu allen Themen, die die Sanierung von historischer Bausubstanz betrifft. Das geht mitunter darüber hinaus bis hin zur Vorstellung und Diskussion von aktuellen Projekten einzelner Mitglieder. Wir wollen in unseren Merkblättern typische Problemstellungen und die zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten erläutern. Der/-m Leser/-in sollen Lösungswege mit nachvollziehbaren Begründungen aufgezeigt werden. Die Merkblätter sollen schon wegen des geringen Umfangs nicht Fachbücher oder Kurse ersetzen, aber einen fundierten Überblick über bestimmte Bereiche liefern.

Wichtig ist dabei eine gute Verständlichkeit mit eindeutigen Schlussfolgerungen und ohne weitschweifige Ausführungen. Die derzeit 14 Merkblätter tragen viele Aspekte zusammen, die bei der Beschäftigung mit historischen Fachwerkgebäuden eine wichtige Rolle spielen und sonst mühsam zusammengesucht werden müssen.

Themen

Das Referat 8 widmet sich der Erhaltung und Ertüchtigung von historischen Fachwerkgebäuden und Holzkonstruktionen. Bauherren und Planer werden häufig mit widersprüchlichen Empfehlungen konfrontiert. Um dem entgegen zu wirken, haben vor vielen Jahren sachkundige Handwerker, Planer und Wissenschaftler in der WTA damit begonnen, Informationen in Form von Merkblättern zu erarbeiten.

Bei der rasanten Weiterentwicklung der Bautechnik in der heutigen Zeit entstehen immer wieder Lücken in Normen und Richtlinien, welche die Besonderheiten von Fachwerkgebäuden nicht berücksichtigen.

Abhilfe schaffen hier die Merkblätter der WTA. Diese behandeln beispielsweise den Brandschutz, Schallschutz oder die Wärmedämmung in Fachwerkgebäuden. Andere Merkblätter, z. B. zu Beschichtungen von Ausfachung oder Holz, geben neutrale Informationen darüber, welche Produkte zur Verfügung stehen und auf was zu achten ist.

Das Referat befasst sich detailliert mit folgenden Themen:

  • Ausfachungen, Außenbekleidungen und Beschichtungen auf Fachwerkwänden
  • Tragverhalten von Fachwerkgebäuden
  • Checkliste zur Instandsetzungsplanung und –durchführung
  • Gebrauchsanweisung für Fachwerkhäuser
  • Bauphysikalische Anforderungen und Themen, z. B. Innendämmung oder die EnEV
  • Schallschutz und Brandschutz von Fachwerkgebäuden und Holzbauteilen
  • Ertüchtigung von Holzbalkendecken

Aktivitäten

Mehrere Arbeitsgruppen kümmern sich um die Überarbeitung von verschiedenen Merkblättern, die auf den neuesten Stand gebracht werden sollen, der aktuelle Entwicklungen wiedergibt und Änderungen in den Vorschriften berücksichtigt.

Ein neues Merkblatt zur Instandhaltung von Holzkonstruktionen, MB 8-15, wurde auf den Weg gebracht. Es wird insbesondere um handwerkliche Gesichtspunkte kreisen. Deswegen sind neue Mitglieder, die sich tagtäglich auf der Baustelle mit der praktischen Sanierung von Holzkonstruktionen auseinandersetzen, hochwillkommen.

Ansprechpartner

Leitung:
Dipl.-Ing. Ulrich Ruisinger
TU Dresden
E-Mail

Stellvertretung:
Dr. Frank Otto
Ingenieurbüro für Bauphysik 
Dr.-Ing. Frank Otto GmbH
E-Mail

Schriftführer:
Dipl.-Ing. Ulrich Arnold
Gutachterbüro Arnold
E-Mail

Anzahl der Mitglieder: 117

Veröffentlichungen

Folgende Merkblätter sind im Referat  "Fachwerk und Holzkonstruktionen" aktuell erschienen:

8-1    Ausgabe: 09.2014/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA I – Bauphysikalische Anforderungen an Fachwerkgebäude

8-2    Ausgabe: 05.2007/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA II – Checkliste zur Instandsetzungsplanung und –durchführung

8-3    Ausgabe: 09.2010/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA III – Ausfachungen von Sichtfachwerk

8-4    Ausgabe: 04.2015/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA IV –  Außenbekleidungen 

8-5    Ausgabe: 04.2018/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA V – Innendämmungen

8-6    Ausgabe: 09.2009/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA VI – Beschichtungen auf Fachwerkwänden – Ausfachungen/Putze

8-7    Ausgabe: 10.2010/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA VII – Beschichtungen auf Fachwerkwänden – Holz

8-8    Ausgabe: 10.2007/D  

Fachwerkinstandsetzung nach WTA VIII – Tragverhalten von Fachwerkbauten 

8-9    Ausgabe: 09.2014/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA IX – Gebrauchsanleitung für historische Fachwerkhäuser

8-10  Ausgabe: 05.2011/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA X – EnEV: Möglichkeiten und Grenzen 

8-11  Ausgabe: 09.2016/D

Fachwerkinstandsetzung nach WTA XI – Schallschutz bei Fachwerkgebäuden

8-12  Ausgabe: 05.2017/D

Brandschutz von Fachwerkgebäuden und Holzbauteilen

8-13  Ausgabe: 09.2013/D

Ertüchtigung von Holzbalkendecken nach WTA I – Schwingungen, Durchbiegungen, Tragfähigkeit

8-14  Ausgabe: 09.2014/D

Ertüchtigung von Holzbalkendecken nach WTA II – Balkenköpfe in Außenwänden

Der Denkmalpfleger ging von uns: Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. habil. Hermann Wirth

Am 21. April dieses Jahres verließ uns mit Hermann Wirth ein ganz besonderer Mensch, Kollege, Vertrauter, Professor, Mentor … und vor allem Denkmalpfleger.

Der am 27. Juni 1940 in Potsdam geborene und auch dort verstorbene Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. habil. Hermann Wirth war nicht nur einer der prägenden Hochschullehrer des Studienganges Architektur meiner Studienzeit an der damaligen Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar, an der er zunächst ab 1980 als Oberassistent das Lehrgebiet Denkmalpflege leitete und darauf folgend in den Jahren 1992 bis 2005 den Lehrstuhl Bauaufnahme und Baudenkmalpflege inne hatte, sondern zugleich einer der authentischen im eigentlichen Wortsinn. Ob während seiner unnachahmlichen Vorlesungen, der Betreuung einer wissenschaftlichen Studienarbeit, eines Semesterentwurfes, einer Diplom- bzw. Masterarbeit oder bei der Erarbeitung einer Dissertation: Wirth begeisterte durch seine unglaublich universale und mitreißende Art der Lehre, die im positiven Sinne zugleich auf Traditionen gerichtet war und damit das Interesse für das historische und zu bewahrende Kulturerbe weckte. Er hinterließ dadurch unzählige Wirthianer, die, einmal die Betreuung einer wissenschaftlichen Arbeit bei ihm über- oder durchgestanden, ihm treu blieben und stolz auf das gemeinsam Errungene waren.

Selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang zuvorderst seine fortwährende Leidenschaft für das Neue Museum, entworfen vom Prager Architekten Josef Zitek, zu nennen, das vordergründig durch unterlassene Fürsorge verwahrlost das Stadtbild aus der Sicht der damals Regierenden beeinträchtigte und für dessen Erhaltung sich Hermann Wirth trotz des regierungsgewünschten Abbruches ohne Unterlass passioniert wie erfolgreich engagierte und junge Menschen für den Kampf gegen den Abriss und die unausweichliche Restaurierung eintreten ließ.

Neben der leidenschaftlichen Unterrichtung seiner Studierenden leistete Wirth mit zahlreichen (mehr als zweihundert) – durchaus auch streitlustigen – Fachveröffentlichungen äußerst dienliche Beiträge zu denkmaltheoretischen Problemen. Als ein Höhepunkt seiner theoretischen Auseinandersetzung um die Baudenkmalpflege ist seine Habilitationsschrift Werte und Bewertung baulich-räumlicher Strukturen. Axiologie der baulich-räumlichen Umwelt anzusehen, mit der er ein allgemeines axiologisches Konzept zur werttheoretischen Auseinandersetzung auf dem Gebiet der Denkmalpflege zur Verfügung stellte. Denkmaltheoretische Widersprüche ließ er indes nicht ohne Weiteres zu; es konnte durchaus vorkommen, dass man von ihm als Dilettant tituliert wurde, wenn man ihm nicht folgte. Kompromissfähigkeit war damit nicht eine ihm nachzusagende Tugend, obwohl er sich das in einigen Fällen selbst mehr wünschte, als das allgemein bekannt war.

Von seiner Persönlichkeit musste man aber auch schlichtweg beeindruckt sein: Mit Vehemenz, Begeisterung und ungeheurer Präzision, die ihm hin und wieder den Vorwurf der Pendanterie bis hin zur Sophisterei einbrachte, wirkte Hermann Wirth theoretisch und praktisch zugleich für die Baudenkmalpflege, wie kaum ein anderer seiner Zeit.

Er konnte sich dabei selbst durchaus in Frage stellen, was wenige für möglich hielten; so scherzte er beispielsweise am Rande einer Sitzung des Referates Fachwerk der Wissenschaft-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e. V. (WTA), deren Mitglied er von 2007 an war, mit Bezug auf die damalige „Guttenberg-Affäre“, dass er eigentlich nur deswegen zwei Doktortitel habe, damit man ihm notfalls einen aberkennen könne.

Ein gepflegtes Denkmal gibt Auskunft auch über das moralische Verhalten seiner Fürsorger äußerte Hermann Wirth bereits in den 1980er Jahren und wusste dabei sehr wohl um die gesellschaftliche Sprengkraft dieser Worte. Derartige und viele weitere „Wort-Denkmale“ der Denkmaltheorie werden ihn immer in unserer Erinnerung halten.

Mit Professor Hermann Wirth – Ein Skandal! würde er womöglich darüber selber ausrufen – ging ein ganz außergewöhnlicher Streiter für die Sache der Denkmalpflege von uns, der fehlen wird und zugleich seinesgleichen sucht.

Gerd Geburtig