WTA-YPA 2026 in der Kategorie "Educational"
Die Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege International e.V. (WTA-INT) verleiht jährlich den WTA Young Professionals Award für herausragende Leistungen auf den Gebieten der Forschung und Praxis der Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege.
Der diesjährige WTA Young Professionals Award in der Kategorie "Educational" wurde
Frau Hasti Sharifi B.Eng. für ihre Bachelorarbeit
"Entwicklung eines möglichen Instandsetzungsvorgehens für die Sichtbetonfassade mit Holzstruktur am denkmalgeschützten Hörsaalzentrum Ost der Ruhr-Universität Bochum"
verliehen.
In einer Kurzpräsentation stellte Frau Sharifi die Schwerpunkte ihrer Arbeit vor.
Die vollständige Arbeit finden Sie hier.
Zusammenfassung
1. Einleitung
Die Sanierung und Erhaltung bestehender Gebäude spielt im nachhaltigen und ressourcenschonenden Bauen eine immer wichtigere Rolle. Im Vergleich zum Neubau senkt die Sanierung die CO₂-Emissionen erheblich und trägt zur Schonung der materiellen Ressourcen bei. Dies gilt insbesondere für denkmalgeschützte Bauwerke, bei denen die ursprüngliche Materialität, das Erscheinungsbild und die architektonische Identität erhalten bleiben müssen.
Diese Studie untersucht Sanierungsmöglichkeiten für die Außenfassade des Hörsaalzentrums Ost (HZO) an der Ruhr-Universität Bochum. Das 1972 erbaute und 2015 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude zeichnet sich durch Sichtbetonflächen aus, die mit einer speziellen Holzschalung gegossen wurden. Abbildung 1 zeigt die charakteristische horizontale Schalungsstruktur der Fassade, die ein wesentliches architektonisches Element darstellt, das bei jedem Eingriff erhalten bleiben muss.
Ein bemerkenswertes Merkmal dieser Struktur ist der Wechsel zwischen zurückgesetzten und hervorstehenden Holzbrettern, der ein dreidimensionales Relief an der Fassade erzeugt. Wie in Abbildung 2 dargestellt, ist jedes zweite Brett um einige Millimeter nach vorne oder hinten versetzt. Dieses Muster ist ein wesentlicher Bestandteil der historischen Identität des Gebäudes und muss bei der Restaurierung originalgetreu nachgebildet werden.
Frühere Untersuchungen des Ingenieurbüros WISSBAU ergaben erhebliche Schäden an mehreren Fassadenplatten, darunter Karbonatisierung, unzureichende Betondeckung, Korrosion der Bewehrung, Abplatzungen und beschädigte Fugenabdichtungen. Obwohl diese Untersuchungen Sicherheits- und Dauerhaftigkeitsbedenken aufzeigten, berücksichtigten die früheren Sanierungsvorschläge nicht die denkmalpflegerischen Anforderungen, wie etwa die Beibehaltung des ursprünglichen Farbtons und der charakteristischen Holzstruktur.
Die Bachelorarbeit zielt daher darauf ab, Restaurierungsstrategien zu entwickeln, die sowohl baulich umsetzbar sind als auch den Denkmalschutzrichtlinien entsprechen. Zu den Hauptzielen gehören:
- Beurteilung des Zustands der Fassade durch Sichtprüfung und Entnahme von Betonproben,
- Bestimmung der Festigkeit und der Haftfestigkeit von Beton,
- die Beurteilung des Zustands von eingebetteten Edelstahlankern,
- sowie das Testen verschiedener Verfahren zur Nachbildung der Holzschalungsstruktur, darunter Holzschalungen, handelsübliche Silikonmatrizen und maßgefertigte 3D-gedruckte Matrizen.
Das übergeordnete Ziel besteht darin, Sanierungslösungen zu ermitteln, die die statische Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig die architektonische Authentizität der denkmalgeschützten HZO-Fassade bewahren. Diese Einleitung bildet die Grundlage für die anschließende Analyse des Zustands der Fassade und die Entwicklung von Methoden zur Rekonstruktion der Oberflächenstruktur.
2. Zustandsanalyse der Fassade
Die Zustandserfassung der Fassade des Hörsaalzentrums Ost (HZO) bildet die technische Grundlage für die Beurteilung der baulichen Sicherheit, der Langlebigkeit und des Sanierungsbedarfs. Da es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, müssen sowohl der bauliche Zustand als auch die Erhaltung des ursprünglichen Erscheinungsbildes berücksichtigt werden. Die Erfassung umfasste eine Sichtprüfung sowie zerstörende und zerstörungsfreie Prüfungen und Festigkeitsmessungen im Labor.
Bei der Sichtprüfung wurden an vielen Fassadenplatten erhebliche Schäden festgestellt. Wie in Abbildung 3 zu sehen ist, weisen große Bereiche der Nordfassade korrosionsbedingte Abplatzungen, freiliegende Bewehrung und einen Verlust der Betondeckung auf. Diese Schäden sind hauptsächlich auf fortgeschrittene Karbonatisierung zurückzuführen, die die Alkalität des Betons verringert und den Schutz der Stahlbewehrung beeinträchtigt. Zudem wurden Hohlräume festgestellt, die auf eine durch Korrosionsausdehnung verursachte Ablösung der Untergrundschicht hindeuten. Es wurden auch Fugenmängel festgestellt, die zum Eindringen von Feuchtigkeit beitragen und den Verfall beschleunigen.
Um die Fassadenkonstruktion besser zu verstehen, wurden Originalzeichnungen und Archivunterlagen ausgewertet. Die Fassade besteht aus Betonfertigteilplatten (10 cm dick), gefolgt von einer 10 cm dicken Dämmschicht und einer 20 cm dicken Ortbetonwand. Jede Platte enthält eine zweilagige Q131-Bewehrung. Die strukturelle Integrität hängt stark vom Verankerungssystem ab: Abbildung 4 zeigt, dass jede Fassadenplatte über drei vollständig eingebettete Anker mit dem Ortbeton verbunden ist, die sowohl die Platte als auch den Tragbeton durchdringen. Diese Verbundverankerung muss sorgfältig geprüft werden, um festzustellen, ob die Platten repariert werden können oder ausgetauscht werden müssen.
An ausgewählten Stellen wurden Kernbohrungen durchgeführt, um die Materialeigenschaften und den Zustand der Verankerungen zu untersuchen. Die Bohrstellen wurden anhand der Bauzeichnungen und der Bewehrungsortung mit einem Proceq Profometer ausgewählt. Die Platte A (Nordseite) wurde aufgrund starker sichtbarer Schäden ausgewählt, während die Platte B (Süddach) als Referenzplatte ohne sichtbare Beschädigungen diente. Die entnommenen Bohrkerne wurden im Labor aufbereitet; Abbildung 5 zeigt das für eine ordnungsgemäße Belastungsanwendung erforderliche Zuschneiden und Oberflächenschleifen, und Abbildung 6 veranschaulicht die Druckfestigkeitsprüfung.
Mechanische Prüfungen ergaben eine unerwartet hohe Betonfestigkeit. Auf der Grundlage von direkten Kernbohrungen und Rückprallhammermessungen wurde die durchschnittliche Druckfestigkeit mit 57,54 N/mm² berechnet, was der alten Betonklasse A5 entspricht. Diese Einstufung übertrifft frühere externe Schätzungen und bestätigt die hohe Tragfähigkeit des Materials. Haftzugversuche ergaben eine durchschnittliche Festigkeit von 2,6 N/mm², ebenfalls innerhalb der Klasse A5, was darauf hindeutet, dass der Untergrund für mineralische Sanierungsmörtel geeignet ist.
Die Anker wurden mittels Kernbohrungen und endoskopischer Untersuchung begutachtet. Trotz der sichtbaren Abnutzung der Betonoberfläche befanden sich die Anker – die aus korrosionsbeständigem Stahl bestehen – in einem ausgezeichneten Zustand ohne Anzeichen von Korrosion, was ihre statische Zuverlässigkeit bestätigte. Da die Anker jedoch vollständig eingebettet sind, können die Fassadenplatten nicht entfernt werden, ohne die bestehende Verankerung zu zerstören; für den Austausch von Platten wären daher vollständig neue Verankerungssysteme erforderlich.
Anhand einer Regressionsanalyse (siehe Abbildung 7) wurde ein Zusammenhang zwischen den Werten des Rückprallhammers und der Druckfestigkeit der Bohrkerne hergestellt, was eine zuverlässige Auswertung der Messungen in Bereichen ermöglichte, in denen die Entnahme von Bohrkernen aufgrund von Denkmalschutzauflagen eingeschränkt war.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fassade des HZO unter starken Oberflächenbeschädigungen, unzureichender Betondeckung und durch Karbonatisierung bedingter Korrosion leidet, obwohl der Beton selbst eine hohe mechanische Festigkeit aufweist. Das Verankerungssystem ist statisch intakt, doch Oberflächenbeschädigungen und der Verlust der ursprünglichen Holzstruktur bestätigen die dringende Notwendigkeit einer Sanierung. Diese Erkenntnisse bilden die technische Grundlage für die Auswahl geeigneter Sanierungs- und Strukturwiederherstellungsmethoden im folgenden Kapitel.
3. Simulation of the Façade Surface
Die Nachbildung der Fassadenoberfläche ist ein zentraler Bestandteil des Sanierungskonzepts für das Hörsaalzentrum Ost (HZO), da dessen architektonische Identität durch die einzigartige Struktur des Holzschalbetons geprägt ist. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, muss bei jeder Sanierung diese charakteristische dreidimensionale Oberfläche originalgetreu nachgebildet werden. Ziel dieses Kapitels ist es, Nachbildungsmethoden zu analysieren und zu vergleichen, mit denen sich die ursprüngliche Schalungsstruktur nachbilden lässt.
Der Prozess begann mit der Analyse der noch intakten Fassadenteile. Obwohl jahrzehntelange Witterungseinflüsse, biologischer Bewuchs und frühere, ungeeignete Reparaturen Teile der Oberfläche verändert haben, weisen ausgewählte Bereiche noch immer ausreichend klare Strukturen für die Dokumentation auf. Diese Bereiche wurden gereinigt und gescannt, um das abwechselnd vertiefte und erhabene Brettmuster, die Relieftiefe von 2–5 mm und die Ausrichtung der Bretter zu erfassen. Durch hochauflösendes 3D-Oberflächenscannen wurden detaillierte Punktwolken und Höhenprofilmodelle erstellt. Abbildung 8 zeigt das digitale Höhenmodell, das als Referenzgeometrie für die Reproduktion der Fassadenstruktur diente.
Auf der Grundlage dieser geometrischen Daten wurden drei Reproduktionsmethoden bewertet:
1. Holzschalung
Zunächst wurde die traditionelle Holzschalung geprüft. Trotz ihrer historischen Bedeutung erwies sie sich jedoch als ungeeignet: Feuchtigkeitsbedingte Verformungen führten zu unregelmäßigen Relief-Tiefen, uneinheitlichen Abständen und einem Erscheinungsbild, das sich von dem der ursprünglichen Bretter unterschied. Auch die natürliche Maserung von modernem Holz entspricht nicht der historischen Textur, weshalb sich diese Methode für die Denkmalpflege nicht eignet.
2. Handelsübliche Silikonmatrizen
Standard-Silikonmatrizen bieten eine gute Detailgenauigkeit, doch ihre generischen Holzmaserungsmuster entsprechen nicht dem spezifischen HZO-Relief. Ihre sich wiederholenden Strukturen und falschen Tiefenprofile führen zu einem unechten Erscheinungsbild, das den Anforderungen der Denkmalpflege nicht gerecht wird.
3. Benutzerdefinierte Matrizen auf Basis von 3D-Scans
Die erfolgreichste Methode nutzt das digitale Höhenmodell, um maßgeschneiderte, formfertige Negativformen herzustellen. Diese können entweder mittels 3D-Druck oder durch das Gießen von Silikon über ein gedrucktes Mastermodell hergestellt werden. Wie in Abbildung 9 zu sehen ist, erreichen die von Reckli hergestellten Matrizen – die mittels Laserscanning der Oberfläche und photogrammetrischer Zephyr-Modellierung erstellt wurden – eine nahezu exakte Nachbildung der ursprünglichen Fassadenstruktur.
Die maßgefertigten Matrizen wurden im Rahmen von Laborversuchen getestet. Die daraus entstandenen Betonproben zeigten eine hervorragende Genauigkeit: Das Mikrorelief, die abwechselnd erhabenen und vertieften Leisten sowie die für die ursprüngliche Oberfläche charakteristischen Unregelmäßigkeiten wurden mit einer Toleranz von weniger als einem Millimeter nachgebildet. Der optische Kontrast zwischen strukturierten und vertieften Bereichen entsprach weitgehend dem der noch intakten Fassadenteile.
Neben der Präzision wurden auch praktische Aspekte berücksichtigt. Maßgefertigte Silikonmatrizen erwiesen sich als langlebig, wiederverwendbar und vor Ort einfach zu handhaben. Ihr modularer Aufbau ermöglicht die Herstellung von überschaubaren Plattengrößen, und neue Matrizen können jederzeit angefertigt werden – eine wichtige Voraussetzung für die langfristige Erhaltung des Kulturerbes und künftige Reparaturen.
Zusammenfassend zeigen die Simulationsergebnisse eindeutig, dass die digitale Reproduktion in Kombination mit maßgefertigten Silikonmatrizen die einzige Methode ist, die eine den Denkmalschutzanforderungen entsprechende Rekonstruktion der Fassadenstruktur des HZO gewährleistet. Holzschalungen und handelsübliche Matrizen sind nicht in der Lage, das ursprüngliche Relief mit der erforderlichen Präzision und Konsistenz nachzubilden. Die digital gestützte Methode bietet sowohl technische Zuverlässigkeit als auch Denkmalschutzverträglichkeit und bildet damit die Grundlage für den im nächsten Kapitel vorgestellten Restaurierungsansatz.
4. Methoden zur Fassadensanierung
Die Sanierung der Fassade des Hörsaalzentrums Ost erfordert eine Kombination aus baulichen, materialtechnischen und konservatorischen Maßnahmen. Da es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, müssen die Arbeiten sowohl den technischen Verfall des Betons beheben als auch die charakteristische Schalungsstruktur, das Farbbild und den architektonischen Rhythmus der Fassade bewahren.
Jahrzehntelange Witterungseinflüsse haben zu Karbonatbildung, Verlust der Passivierung, Korrosion der Bewehrung und Abplatzungen des Betondeckmantels geführt. Eine unzureichende Betondeckung hat die Korrosion verstärkt, insbesondere an den der Feuchtigkeit ausgesetzten Platten. Darüber hinaus haben Erosion, biologischer Bewuchs und frühere, nicht kompatible Reparaturen zu einem teilweisen Verlust der ursprünglichen Holzstruktur geführt. Bei den Restaurierungsmaßnahmen muss daher ein Gleichgewicht zwischen der baulichen Instandsetzung und der Erhaltung des historischen Materials gefunden werden.
Der erste wichtige Schritt ist die Entfernung von beschädigtem oder delaminiertem Beton. Bereiche mit Abplatzungen, Hohlräumen oder freiliegender Bewehrung müssen sorgfältig entfernt werden, bis tragfähiger Beton erreicht ist. Saubere Kanten sind erforderlich, um eine gute Haftung zu gewährleisten und optisch unregelmäßige Reparaturstellen zu vermeiden.
Nach dem Ausbau muss die Bewehrung gereinigt und behandelt werden. Rost wird mechanisch oder durch Strahlen entfernt, und es kann ein Korrosionsschutz aufgetragen werden. Bei erheblichem Querschnittsverlust muss die Bewehrung ergänzt oder ersetzt werden. Da das Gebäude auf Verankerungen stützt, die sowohl in die Fassade als auch in den Ortbeton eingelassen sind, ist die Unversehrtheit der Bewehrung besonders wichtig.
Im nächsten Schritt werden die beschädigten Stellen mit geeigneten mineralischen Reparaturmörteln neu profiliert. Diese Mörtel müssen ähnliche mechanische Eigenschaften wie der vorhandene Beton aufweisen, witterungsbeständig sein und eine ausreichende Karbonatisierungs- und Frostbeständigkeit gewährleisten. Aus denkmalpflegerischen Gründen muss der Mörtel zudem der ursprünglichen Farbe und den Oberflächenmerkmalen entsprechen, um sichtbare Ausbesserungsstellen zu vermeiden.
Die Nachbildung der durch Schalungsbretter geprägten Struktur der Fassade ist ein entscheidender Bestandteil der Restaurierung. Die Struktur ist nicht nur ästhetisch, sondern ein prägendes architektonisches Element. Zuvor wurden verschiedene Reproduktionsmethoden geprüft, darunter Holzschalungen, handelsübliche Matrizen und maßgefertigte Formen. Nur maßgefertigte Silikonmatrizen, die auf einer mittels 3D-Scan erfassten Geometrie basieren, können die ursprüngliche Tiefe, das Relief und die Ausrichtung der Struktur originalgetreu nachbilden. Diese Matrizen ermöglichen es, dass der Reparaturmörtel zu einer Oberfläche aushärtet, die vom Original kaum zu unterscheiden ist, wodurch ein fleckiges Erscheinungsbild vermieden wird.
Nach der baulichen Instandsetzung und der Wiederherstellung der Oberflächenstruktur müssen Schutzbehandlungen durchgeführt werden. Geeignete Optionen sind hydrophobe Behandlungen auf mineralischer Basis oder atmungsaktive, farbneutrale Beschichtungen. Diese Systeme müssen dampfdurchlässig und optisch unauffällig bleiben, wobei glänzende oder farbverändernde Effekte zu vermeiden sind, die das historische Erscheinungsbild der Fassade beeinträchtigen würden.
Das Sanierungskonzept muss auch die Fugen der Fassade berücksichtigen. Beschädigte Dichtstoffe lassen Feuchtigkeit eindringen und beschleunigen den Verfall. Die Fugen müssen daher mit elastischen, verträglichen Dichtstoffen repariert und mit korrekter Hinterfüllung und den richtigen Abmessungen gestaltet werden.
Schließlich ist eine langfristige Pflege unerlässlich. Regelmäßige Inspektionen, schonende Reinigung, die Auffrischung des wasserabweisenden Schutzes und die frühzeitige Behebung von Mikrorissen tragen dazu bei, die Langlebigkeit zu gewährleisten und das erneute Auftreten von Schäden zu verhindern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Restaurierung der HZO-Fassade einen koordinierten Ansatz erfordert, der bautechnische Instandsetzung, die Neugestaltung der Oberfläche, die originalgetreue Nachbildung der Struktur und eine Schutzbehandlung miteinander verbindet. Durch die Verbindung moderner digitaler Reproduktionstechnologien mit konservatorischen Grundsätzen gewährleisten die vorgeschlagenen Methoden sowohl eine langfristige bauliche Leistungsfähigkeit als auch die originalgetreue Erhaltung des historischen architektonischen Charakters des Gebäudes.
5. Stellungnahme der Denkmalschutzbehörde
Die Sanierung der Fassade des Hörsaalzentrums Ost muss den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde entsprechen, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Die Behörde betont, dass die architektonische Authentizität der Fassade optisch unverändert bleiben muss, insbesondere die horizontale Schalbetonstruktur, die spezifische Relief-Tiefe und die charakteristische Materialoptik.
Aus diesem Grund lehnt die Behörde industrielle Oberflächenbeschichtungen wie Polymerfolien oder dicke Mineralschichten – die Farbe, Glanz oder Struktur verändern könnten – strikt ab. Restaurierte Bereiche müssen sich nahtlos in die ursprünglichen Oberflächen einfügen und dürfen keine sichtbaren Kontraste bilden.
Eine zentrale Anforderung ist die präzise Nachbildung der ursprünglichen Holzschalungsstruktur. Die abwechselnden vertieften und hervorstehenden Abschnitte, die Mustertiefe und die historische Maserung müssen so genau wie möglich nachgebildet werden. Standard-Holzschalungen oder handelsübliche Silikonmatrizen gelten als ungeeignet, da sie das einzigartige, nicht wiederholende Muster der HZO-Fassade nicht reproduzieren können.
Stattdessen befürwortet die Behörde digitale Dokumentationsmethoden, darunter 3D-Oberflächenscans und die Anfertigung maßgeschneiderter Matrizen, da diese Genauigkeit, Reversibilität und Materialverträglichkeit gewährleisten. Bei der Reproduktion muss eine mechanische Wiederholung vermieden und der handwerkliche Charakter der ursprünglichen Textur bewahrt werden.
In Bezug auf beschädigte Fassadenplatten räumt die Behörde ein, dass bauliche Maßnahmen erforderlich sein können. Das ursprüngliche Material sollte jedoch nach Möglichkeit erhalten bleiben, und ein vollständiger Austausch der Platten sollte nur erfolgen, wenn dies unvermeidbar ist. Ersatzplatten müssen das Erscheinungsbild und die Geometrie der Originale genau nachbilden, und alle Maßnahmen müssen dokumentiert werden.
Oberflächenschutzsysteme sind nur zulässig, wenn sie auf mineralischer Basis beruhen, atmungsaktiv und optisch neutral sind. Behandlungen, die Feuchtigkeit einschließen oder glänzende oder farbverändernde Oberflächen erzeugen, sind nicht zulässig. Bei allen Restaurierungsschritten ist der Grundsatz der minimalen Eingriffe anzuwenden.
Abschließend betont die Behörde die Notwendigkeit eines langfristigen Instandhaltungsplans, der regelmäßige Inspektionen, eine schonende Reinigung, die Erneuerung von Schutzbehandlungen sowie die frühzeitige Behebung auftretender Mängel umfasst. Dadurch wird sichergestellt, dass die restaurierte Fassade ihren architektonischen und kulturellen Wert über lange Zeit bewahrt.
Zusammenfassend befürwortet die Denkmalschutzbehörde eine Restaurierungsstrategie, die eine präzise digitale Reproduktion der Oberflächenstruktur mit einer sorgfältigen, minimalinvasiven Instandsetzung verbindet. Diese Leitlinien gewährleisten, dass sowohl die bauliche Integrität als auch die historische Identität des Hörsaalzentrums Ost für künftige Generationen erhalten bleiben.
6. Zusammenfassung
In dieser Bachelorarbeit wird ein Sanierungskonzept für die Sichtbetonfassade mit Holzbrettstruktur des denkmalgeschützten Hörsaalzentrums Ost (HZO) an der Ruhr-Universität Bochum entwickelt. Ziel war es, den Zustand der Fassadenplatten zu beurteilen, die charakteristische Oberflächenstruktur zu simulieren und Sanierungsmethoden im Einklang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes zu bewerten.
Die Zustandsbeurteilung, gestützt auf das WISSBAU-Ingenieurgutachten und zusätzliche Kernbohrungen, ergab erhebliche Schäden wie Karbonatisierung, unzureichende Betondeckung, korrosionsbedingte Abplatzungen und beschädigte Oberflächen. Obwohl die Fassade erhebliche sichtbare Schäden aufweist, erwiesen sich die eingebetteten Edelstahlanker als vollständig intakt und korrosionsfrei. Druckfestigkeits- und Haftzugprüfungen stuften den Beton als A5 ein, was auf eine hohe Materialqualität und gute Tragfähigkeit hinweist.
Um die Struktur der Holzbretter der Fassade nachzubilden, wurden mehrere Probegüsse durchgeführt. Holzschalungen lieferten uneinheitliche Ergebnisse und waren daher ungeeignet. Es wurden Silikonmatrizen in drei Varianten getestet: Standardmatrizen mit Fichten-Tannen-Brettmustern sowie zwei maßgefertigte Matrizen, die mittels Photogrammetrie und Oberflächenscan erstellt wurden. Alle Matrizen lieferten gute Ergebnisse, doch die Standardversionen entsprachen nicht den ursprünglichen Brettbreiten. Die Denkmalschutzbehörde empfahl daher die Verwendung der maßgefertigten Matrizen und erlaubte Standardmatrizen nur, sofern deren Abmessungen angepasst wurden.
Mit der Denkmalschutzbehörde wurden verschiedene Sanierungsstrategien erörtert, darunter der vollständige Austausch der Fassadenplatten, die Entfernung der äußeren Betonschicht mit anschließender Neuverbetonung, eine partielle Neuprofilierung mit Reparaturmörtel sowie weitere innovative Methoden. Als geeignetste Lösung wurde eine partielle Neuprofilierung unter Verwendung von mineralischem Reparaturmörtel in Kombination mit einer Matrixprägung ermittelt. Der Reparaturmörtel muss der historischen Zuschlagstoffzusammensetzung und der Farbe der bestehenden Fassade entsprechen. Obwohl eine farblose hydrophobe Imprägnierung getestet wurde, wurden zusätzliche Oberflächenschutzsysteme nicht genehmigt.
Das empfohlene Restaurierungskonzept umfasst die Dokumentation der Fassade mittels Photogrammetrie, das Scannen aller beschädigten Bereiche, die Anfertigung maßgeschneiderter Silikonmatrizen für jedes Textursegment, die Neugestaltung der beschädigten Bereiche mit geeignetem Mörtel sowie das Einprägen der Fassadenstruktur in den frischen Mörtel. Dies gewährleistet eine technisch zuverlässige und denkmalgerechte Restaurierung, die sowohl die strukturelle Integrität als auch den einzigartigen architektonischen Charakter der HZO-Fassade bewahrt.