WTA–YPA 2026 in der Kategorie "Practical"

Die Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege International e.V. (WTA-INT) verleiht jährlich den WTA-Young Professional Award für herausragende Leistungen auf den Gebieten der Forschung und Praxis der Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege.

Der diesjährige WTA Young Professionals Award in der Kategorie "Practical" wurde erstmalig

                              Herrn Aurel Froitzheim B. Eng. M.Prof. für seine Projektarbeit

                "Bonner Tor in Erftstadt - Restaurierungskonzeption eines historischen Stadttors" 

verliehen.

In einer Kurzpräsentation stellte Herr Froitzheim die Schwerpunkte seiner Arbeit vor. Die vollständige Arbeit finden Sie hier.
 

Einleitung

Das Bonner Tor ist ein historisches Stadttor im Zentrum von Erftstadt-Lechenich bei Köln. Es bildet den nordöstlichen Zugang zur mittelalterlichen Altstadt und ist ein wesentlicher Bestandteil der historischen Stadtbefestigung. Das Anwesen befindet sich im Besitz der Stadt Erftstadt, während die fachliche Betreuung beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) liegt.
Der Grund für eine genauere Untersuchung liegt in den erkennbaren Bauschäden, insbesondere an der zur Straße hin gelegenen Nordseite des Tors.
Als zentraler Bestandteil der mittelalterlichen Befestigungsanlagen von Lechenich zählt das Bonner Tor zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Region. Als markantes Stadttor, dessen Kernstruktur auf das 13. bis 14. Jahrhundert zurückgeht und das später mehrfach umgebaut wurde, stellt es ein äußerst komplexes Objekt für die Architektur-, Material- und Restaurierungsforschung dar.
Ziel der Masterarbeit/Projektarbeit im Rahmen des Masterstudiengangs „Restaurierung historischer Baudenkmäler“ war die Entwicklung eines fundierten Denkmalrestaurierungskonzepts auf der Grundlage einer umfassenden Zustandserfassung, bauphysikalischer und materialwissenschaftlicher Untersuchungen sowie einer denkmalpflegerischen Bewertung. Die Studie umfasst:

  • Historische Einordnung der Toranlage
  • Vollständige Dokumentation der bestehenden Gebäudestrukturen
  • Technische und restauratorische Untersuchungen
  • Schadensanalyse und Ursachenermittlung
  • Begutachtung zur Restaurierung von Denkmälern
  • Entwicklung eines Sanierungskonzepts
  • Herstellung und Prüfung von Musterplatten und Prüfkörpern

Historischer Hintergrund – Wichtige Ereignisse

ca. 1250-1350 Erste urkundliche Erwähnung – Errichtung der Stadtbefestigung
1642-1726       Zerstörung während des Dreißigjährigen Krieges – Ersatz der Zugbrücke durch eine Steinbrücke
1851-1897       Umbau zu einem Gefängnis – Aufstockung unter Verwendung von Ziegelmauerwerk
1900-2023       Anpassungen in der Stadtplanung – 2005: jüngste Sanierungsmaßnahme

Abgrenzung des Untersuchungsgebiets

Der Untersuchungsbereich umfasst die zur Straße hin gelegene Nordseite des Bonner Tors, wobei der Schwerpunkt auf dem beschädigten Sockelbereich liegt. Das untersuchte Bauteil besteht aus einer etwa 1,5 m dicken, doppelwandigen Mauerwerkskonstruktion mit einem lose verfüllten Kern.
Die Außenfläche weist eine unregelmäßige Mischung aus Lehmziegeln und Naturstein auf, die weder homogen noch in einer klar schichtartigen Anordnung verlegt sind. Unterschiedliche Steinformate und eine heterogene Kombination von Steinsorten deuten auf mehrere Bauphasen und spätere Anbauten hin.

Bestandsaufnahme und Kartierung der Schäden
Zu den festgestellten Schäden gehören:
   • Ausgewaschene Fugen, loser Mörtel
   • Verwitterung und Verlust einzelner Steine
   • Pflanzenbewuchs in den Fugen
   • Oberflächenablagerungen

Investigation

Musterprüfungen

Fugenschäden und Salzverschmutzung

Problemstellung: Warum konzentrieren sich Schäden an den Fugen auf die Höhe zwischen 0,50 und 1,30 m?
Methode: Analyse schädlicher Salze
Ergebnis:
   • Die höchsten Konzentrationen schädlicher Salze wurden in einer Tiefe zwischen 0,5 und 1,3 m
      festgestellt.
   • Die Fugenschädigung hängt wahrscheinlich mit der Salzbelastung zusammen,
      was vermutlich auf aufsteigende Feuchtigkeit und/oder hygroskopische Feuchtigkeit hindeutet.

 

Examinations

Mirowski Pipe Test

Problemstellung: Da Ablagerungen festgestellt wurden: Wurden die Mauerwerksflächen bei einer früheren Maßnahme hydrophobiert?
Methode: Untersuchung des Kapillarabsorptionsverhaltens unter Verwendung von Mirowski-Rohren
Ergebnis:
   • Es wurden keine hydrophoben Substanzen nachgewiesen.
   • Es wurden erhebliche Unterschiede im Absorptionsverhalten der Steine festgestellt.
   • Oberflächenablagerungen beeinflussen das Absorptionsverhalten, befinden sich jedoch außerhalb
      der primären Schadenszone.

 

Mirowski Pipe Test

Zusammenfassung: Technologische Bewertung

Schaden Ursachen Ergebnisse
Ausgewaschene Fugen, loser Mörtel Hohe Salzbelastung (Chloride und Sulfate), z. B. durch Streusalz und Emissionen Übermäßige Belastung des vorhandenen Sanierungsmörtel mit weißem Kalkhydrat
Oberflächenablagerungen Starke Feuchtigkeitseinwirkung (Spritzwasser) Neuer Ansatz für den Mörtel, der auf die bestehende Struktur abgestimmt ist:
Option 1: Heißkalkmörtel
Option 2: Kalkspatzenmörtel
Verwitterung bzw. Verlust einzelner Steine Möglicherweise ungeeignete Mörtel aus früheren Maßnahmen (Luftkalkmörtel mit Ziegelstaub) Die Ablagerungen unverändert belassen, da sie sich nicht im beschädigten Bereich der Fugen befinden.
Pflanzenbewuchs in den Fugen   Beschädigte einzelne Steine/Ziegel entfernen und durch geeignete Tonziegel ersetzen.

 

Sanierungskonzept – Konkrete Maßnahmen

Fugeninstandsetzung Steinersatz Wartung

Lose Fugenmasse ist sorgfältig zu entfernen und durch Kalkmörtel in zwei Varianten zu ersetzen, die in Farbe, Struktur und Oberflächenbeschaffenheit an die bestehende Bausubstanz angepasst sind.

Probenahme von Mörteln und
Laboruntersuchungen zur Überprüfung der
Material-Eigenschaften

Nur bei schwerwiegenden materiellen Verlusten:
• Verwendung geeigneter
wiederverwerteter Ziegel
• Erhaltung der vorhandenen Natursteine, wo immer dies möglich ist (eine Rücksprache mit einem Steinmetz wird empfohlen)
Entfernung von Pflanzenbewuchs
Regelmäßige Überprüfung des Zustands der Fugen
und Reparatur nach Bedarf

 

Ausführung

Die praktische Umsetzung des Restaurierungskonzepts erfolgte an Musterplatten, jeweils eine für jede Mörtelvariante.
Der Ablauf kann zusätzlich über die folgenden Links eingesehen werden:

Vorbereitungen Variante 1: Kalkmörtel Variante 2: Kalkputzmörtel
https://youtu.be/FG0xMIPvn0c https://youtu.be/i2C3iJGshis https://youtu.be/AI5P-8BkW7I

 

Arbeitsschritte

    1. Herstellung von Mustertafeln
         a) Dokumentation des Ausgangszustands und der vorhandenen
              Schäden
         b) Musterplatte mit Kalkspatzenmörtel
         c) Musterplatte mit Heißkalkmörtel
    2. Beschädigte Fugen auskratzen und losen Mörtel entfernen
    3. Entfernung verwitterter Steine
    4. Reinigung und Vorbefeuchtung der Mauerwerksoberfläche
    5. Verlegung einzelner Steine mit Heißkalkmörtel
         o Verwendung geeigneter wiederverwerteter Ziegel aus einer
             vergleichbaren Herstellungsperiode

Process
  Variante 1 – Heißkalkmörtel Variante 2 – Kalkspatzenmörtel
6. Fugen verfüllen
In kleinen Mengen anmischen und bei Temperaturen über 40 °C sofort auftragen:
   • 4,5 Teile, Sand (0–8 mm)
   • 0,5 Teile Ziegelstaub
   • 1,0 Teile Branntkalk CL90
   • 1,75 Teile Wasser
Von Hand in Schichten aufgetragen.

Im Mischbehälter im Voraus in kleinen Portionen trocken gelöscht und am nächsten Tag verarbeitet:
   • 4,5 Teile Sand (0–8 mm)
   • 0,5 Teile Ziegelstaub
   • 1,0 Teile Branntkalk CL90
   • 2,0 Teile Wasser
Von Hand in Schichten aufgetragen.

7.  Nachbearbeitung
Die Fugen werden nach dem Auftragen leicht angefeuchtet und mit einem Holzfugenwerkzeug nachbearbeitet.

Nach einer Trocknungszeit von mehreren Stunden werden die Fugen aufgeraut und mit einem Fugenwerkzeug nachbearbeitet
8.  Folgemaßnahmen
Die Probenplatten sind mit Jutegewebe bedeckt und werden in regelmäßigen Abständen feucht gehalten.

 

Vergleich des Zustands 
vor und nach der Behandlung

 

 

 

Vorher
Vorher
Nachher
Nachher - Beispiel hier: Variante 1: Heißkalkmörtel

Laboruntersuchung

Herstellung der Prüfkörper

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mörtel in Formen
Mörtel in Formen aus Polystyrol oder Metall. Der Mörtel wird von Hand aufgetragen.
Verbundwerkstoffprüfung
Verbundprüfkörper aus Ziegelriemchen, die in einer Prüfvorrichtung angeordnet und mit dem entsprechenden Mörtel verfugt sind.

Festigkeitsentwicklung der Mörtelvarianten

Forschungsfrage: Entwickelt der Heißkalkmörtel eine übermäßige Festigkeit? (Ziel-Druckfestigkeit ca. 2–8 N/mm²)

Methode: Druckfestigkeitsprüfung an Mörtelprismen

Ergebnis: Keine der beiden Mörtelvarianten weist eine übermäßige Festigkeit auf. Der angestrebte Festigkeitsbereich wird wahrscheinlich von beiden Systemen erreicht.
 

 

Strength

Vor- und Nachteile der verschiedenen Mörtelvarianten

Variante 1: Heißkalkmörtel
Vorteile
Anwendung:
   • Eine höhere Frühfestigkeit ermöglicht das effiziente Verfugen tiefer Fugen.
   • Die schnelle Abbindung ermöglicht eine frühzeitige Endbearbeitung und eine sichere Verlegung der einzelnen Steine.
   • geringe Schrumpfungstendenz
Laborergebnisse:
   • Eine Wasseraufnahme, die mit der von Ziegelmauerwerk vergleichbar ist, wodurch Spannungen zwischen Stein und Mörtel verringert werden.
   • Mechanische Festigkeit, die mit historischem Ziegelmauerwerk vereinbar ist.
   • Hohes Elastizitätsmodul, wodurch potenziell tragende Funktionen möglich sind.
   • Hohe kapillaraktive Porosität, die eine beschädigungsfreie Salzkristallisation und eine beschleunigte Trocknung ermöglicht.
Nachteile
Anwendung:
   • Erhöhter Zeitdruck aufgrund der schnellen Aushärtung.
   • Verschärfte Arbeitsschutzanforderungen beim Umgang mit Branntkalk.
Laborergebnisse:
   • Eine sehr hohe kapillaraktive Porosität kann zu einem erhöhten Risiko von Frostschäden führen.
   • Etwas verbesserte, aber im Vergleich zu Kalkputzmörtel immer noch geringe Haftfestigkeit.
 
Variante 2: Kalkspatzenmörtel
Vorteile
Anwendung:
   • Eine längere Verarbeitungszeit ermöglicht eine kontrollierte und großflächige Anwendung.
   • Geringere Arbeitsrisiken bei der Handhabung.
Laborergebnisse:
   • Mechanische Festigkeit, die mit historischem Ziegelmauerwerk vereinbar ist.
Nachteile
Anwendung:
   • Keine Möglichkeit einer spontanen Neumischung.
   • Schwierige Einstellung der Konsistenz; Gefahr der Verschmutzung der Steinkanten.
   • Gefahr von Schwindrissen in tiefen Fugen, was einen schichtweisen Auftrag erforderlich macht.
Laborergebnisse:
   • Geringe Haftfestigkeit; die Prüfkörper zerfielen beim Entfernen.

 

Fazit

Luftkalkmörtel eignen sich für den Einsatz in historischem Mauerwerk nur dann, wenn sie als Opfermaterialien betrachtet werden.
Ihre hohe Porosität, ihre Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit, ihre begrenzte Haftfestigkeit und ihre mäßige mechanische Festigkeit dienen dazu, historisches Mauerwerk vor Feuchtigkeits- und Salzschäden zu schützen und ermöglichen bei Bedarf einen Austausch.

Empfohlene Vorgehensweise
Eine kombinierte Anwendung von Heißkalkmörtel und Kalkspatzenmörtel am Bonner Tor als Eignungsprüfung:
   • Heißkalkmörtel für tiefgehende Vorarbeiten wie Fugenausbesserung und Steinaustausch aufgrund seiner höheren Frühfestigkeit und seiner
      potenziellen Tragfähigkeit
   • Kalkspatzenmörtel für die Oberflächenausrichtung aufgrund der längeren Belichtungszeit und der sichereren Handhabung

Optimierungspotenzial
Eine verbesserte Verarbeitbarkeit, die Verwendung weniger reaktiver Kalkarten und die Zugabe von puzzolanischen Materialien könnten die Dauerhaftigkeit verbessern. Es sind weitere Eignungsprüfungen erforderlich.

Ausblick
Eine nachhaltige Sanierung erfordert regelmäßige Instandhaltung, kontinuierliche Überwachung und, wo nötig, die ständige Weiterentwicklung geeigneter Mörtelsysteme.

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